Gutscheine in Gastronomie und Hotel: Einzweck oder Mehrzweck, Umsatzsteuer und Buchung

Im Dezember verkaufen Restaurants und Hotels so viele Gutscheine wie im ganzen restlichen Jahr. Für die Umsatzsteuer ist dabei eine einzige Frage entscheidend: Steht beim Verkauf des Gutscheins schon fest, welche Leistung mit welchem Steuersatz an welchem Ort erbracht wird? Davon hängt ab, ob die Umsatzsteuer schon im Dezember oder erst bei der Einlösung im neuen Jahr anfällt.
Kurz gesagt: Ein Einzweck-Gutschein wird schon beim Verkauf versteuert, ein Mehrzweck-Gutschein erst bei der Einlösung. Seit Speisen in der Gastronomie ab dem 1. Januar 2026 mit 7 Prozent und Getränke weiter mit 19 Prozent besteuert werden, sind Wertgutscheine für Restaurants in aller Regel Mehrzweck-Gutscheine. Beim Verkauf fällt dann keine Umsatzsteuer an, die Einnahme ist zunächst eine Verbindlichkeit.
Die gesetzlichen Regeln: § 3 Absatz 13 bis 15 UStG
Ein Gutschein im Sinne des Umsatzsteuerrechts ist nach § 3 Absatz 13 UStG ein Instrument, das als vollständige oder teilweise Gegenleistung für eine Lieferung oder sonstige Leistung angenommen werden muss. Die Leistung oder der leistende Unternehmer müssen auf dem Gutschein oder in den Unterlagen dazu angegeben sein. Reine Rabattgutscheine, die nur einen Preisnachlass gewähren, sind keine Gutscheine in diesem Sinne.
- Einzweck-Gutschein (§ 3 Absatz 14 UStG): Der Ort der Leistung und die geschuldete Steuer stehen bei Ausstellung fest. Schon die Übertragung des Gutscheins gilt als Erbringung der Leistung. Die spätere Einlösung ist umsatzsteuerlich kein neuer Vorgang mehr.
- Mehrzweck-Gutschein (§ 3 Absatz 15 UStG): Jeder Gutschein, der kein Einzweck-Gutschein ist. Umsatzsteuer entsteht erst, wenn die Leistung tatsächlich erbracht wird, also bei Einlösung. Der Verkauf des Gutscheins unterliegt nicht der Umsatzsteuer.
Warum Restaurantgutscheine seit 2026 meist Mehrzweck sind
Seit dem 1. Januar 2026 gilt nach § 12 Absatz 2 Nummer 15 UStG für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen der ermäßigte Satz von 7 Prozent, Getränke bleiben bei 19 Prozent. Ein Gutschein über 50 Euro kann für Essen, für Getränke oder für beides eingelöst werden. Beim Verkauf weiß niemand, welcher Steuersatz am Ende gilt. Die Steuer steht also nicht fest, der Gutschein ist ein Mehrzweck-Gutschein. So sehen es auch die IHK Schwerin und Praxisbeiträge in der Fachliteratur.
Ein Einzweck-Gutschein bleibt möglich, wenn er eindeutig nur auf Speisen oder nur auf Getränke beschränkt ist, etwa "ein Drei-Gänge-Menü ohne Getränke".
Altgutscheine aus 2025: Bis Ende 2025 galt für Speisen und Getränke vor Ort einheitlich 19 Prozent. Restaurantgutscheine aus dieser Zeit waren Einzweck-Gutscheine und wurden bereits beim Verkauf mit 19 Prozent versteuert. Nach Darstellung der IHK Schwerin bleibt es dabei, auch wenn sie erst 2026 oder später eingelöst werden. Bei der Einlösung fällt keine weitere Umsatzsteuer an.
Gutscheine im Hotel
Im Hotel kommt es auf den Inhalt an:
- "Eine Übernachtung im Doppelzimmer ohne Frühstück" in einem bestimmten Hotel in Deutschland: Ort und Steuersatz von 7 Prozent stehen fest. Das spricht für einen Einzweck-Gutschein, die Steuer entsteht beim Verkauf.
- "Wochenende für zwei mit Frühstück und Dinner": Übernachtung zu 7 Prozent, Speisen zu 7 Prozent, Getränke zu 19 Prozent. Der Anteil der Getränke ist beim Verkauf offen, es handelt sich um einen Mehrzweck-Gutschein.
- Wertgutschein über 200 Euro: einlösbar für Zimmer, Bar, Spa oder Restaurant, also ein Mehrzweck-Gutschein.
Bei Übernachtungspaketen akzeptiert die Finanzverwaltung nach Angaben der IHK Schwerin, dass nicht begünstigte Leistungen wie Frühstücksgetränke, WLAN oder Parkplatz pauschal mit 15 Prozent des Übernachtungspreises angesetzt werden. Das betrifft die Aufteilung bei der Einlösung, nicht den Verkauf des Gutscheins.
Übersicht: wann welche Steuer anfällt
| Gutschein | Art | Umsatzsteuer beim Verkauf | Umsatzsteuer bei Einlösung |
|---|---|---|---|
| Restaurant, Wertgutschein 50 Euro (ab 2026) | Mehrzweck | keine | nach tatsächlichem Verzehr, 7 Prozent Speisen, 19 Prozent Getränke |
| Restaurant, "Menü ohne Getränke" | Einzweck | 7 Prozent | keine weitere |
| Restaurant, Gutschein aus 2025 | Einzweck | 19 Prozent (bereits 2025 erfasst) | keine weitere |
| Hotel, Übernachtung ohne Frühstück in Deutschland | Einzweck | 7 Prozent | keine weitere |
| Hotel, Paket mit Frühstück und Getränken | Mehrzweck | keine | nach Aufteilung der Leistungen |
| Hotel, Wertgutschein | Mehrzweck | keine | nach tatsächlicher Leistung |
Beispiel Restaurant: 120 Weihnachtsgutscheine
Ein Restaurant verkauft im Dezember 2026 120 Wertgutscheine zu je 50 Euro, zusammen 6.000 Euro. Es handelt sich um Mehrzweck-Gutscheine.
- Dezember-Voranmeldung: keine Umsatzsteuer auf die 6.000 Euro. Die Einnahme wird als Verbindlichkeit gegenüber den Gutscheininhabern erfasst.
- Einlösung im Januar 2027: Ein Paar isst für 48 Euro und trinkt für 20 Euro, zusammen 68 Euro. Es zahlt mit dem Gutschein über 50 Euro und 18 Euro bar.
- Umsatzsteuer bei Einlösung: Speisen 48 Euro brutto zu 7 Prozent ergeben 3,14 Euro, Getränke 20 Euro brutto zu 19 Prozent ergeben 3,19 Euro. Versteuert wird die gesamte Rechnung über 68 Euro, die Verbindlichkeit sinkt um 50 Euro.
Den Steueranteil aus Bruttobeträgen berechnen Sie mit dem Umsatzsteuer Rechner. Die Aufteilung von Speisen und Getränken erklärt der Beitrag Mehrwertsteuer Gastronomie 2026.
Beispiel Hotel: Einzweck-Gutschein für eine Übernachtung
Ein Hotel verkauft im Dezember 2026 einen Gutschein "1 Übernachtung im Doppelzimmer ohne Frühstück" für 139 Euro. Als Einzweck-Gutschein ist er bereits im Dezember zu versteuern: 139 Euro brutto enthalten bei 7 Prozent 9,09 Euro Umsatzsteuer. Löst der Gast im März 2027 ein, entsteht keine weitere Umsatzsteuer. Bucht er zusätzlich Frühstück, wird nur dieses separat abgerechnet.
Gutscheine buchen und in der Kasse erfassen
Für den Mehrzweck-Gutschein gilt in der Buchführung: Beim Verkauf entsteht kein Erlös, sondern eine Verbindlichkeit. Erst bei Einlösung wird sie aufgelöst und der Erlös mit dem passenden Steuersatz gebucht. Auf welches Konto Ihre Kanzlei die Verbindlichkeit nach SKR03 oder SKR04 bucht, legt sie fest. Grundlagen im Lexikon zum Buchungssatz.
In der Kasse sollte der Gutscheinverkauf nicht als normaler Umsatz mit 7 oder 19 Prozent erfasst werden, sondern als eigene Position für den Gutscheinverkauf. Sonst führt die Kasse Umsatzsteuer ab, die beim Mehrzweck-Gutschein noch gar nicht entstanden ist. Für die Nachvollziehbarkeit hilft eine fortlaufende Gutscheinnummer, die beim Einlösen auf dem Bon erscheint. Wie Kassenaufzeichnungen aufgebaut sein müssen, steht im Lexikon zum Kassenbuch.
Nicht verwechseln: Eine Gutschrift im Sinne von § 14 Absatz 2 UStG ist eine Abrechnung durch den Leistungsempfänger und hat mit Geschenkgutscheinen nichts zu tun. Dazu gibt es die Gutschrift Vorlage.
Wenn Gutscheine nicht eingelöst werden
Gutscheine ohne angegebenes Ablaufdatum unterliegen der regelmäßigen Verjährung von drei Jahren nach § 195 BGB. Die Frist beginnt nach § 199 BGB am Ende des Jahres, in dem der Gutschein gekauft wurde. Ein im Dezember 2026 verkaufter Gutschein verjährt also mit Ablauf des 31. Dezember 2029.
Umsatzsteuerlich gilt: Beim Mehrzweck-Gutschein fällt ohne Einlösung keine Umsatzsteuer an, weil keine Leistung erbracht wurde. Beim Einzweck-Gutschein wurde die Steuer schon beim Verkauf abgeführt und bleibt es. Wann die Verbindlichkeit aus nicht eingelösten Gutscheinen ertragswirksam aufgelöst wird, klärt Ihr Steuerberater.
Häufige Fragen
Ist ein Restaurantgutschein ein Einzweck- oder Mehrzweck-Gutschein?
Seit dem 1. Januar 2026 ist ein Wertgutschein für ein Restaurant in der Regel ein Mehrzweck-Gutschein, weil er für Speisen zu 7 Prozent und Getränke zu 19 Prozent eingelöst werden kann. Nur ein Gutschein, der ausschließlich Speisen oder ausschließlich Getränke umfasst, kann ein Einzweck-Gutschein sein.
Muss ich beim Verkauf eines Gutscheins Umsatzsteuer abführen?
Beim Einzweck-Gutschein ja, weil die Übertragung als Leistung gilt. Beim Mehrzweck-Gutschein nein, die Umsatzsteuer entsteht erst bei Einlösung nach dem dann gültigen Steuersatz und der tatsächlich erbrachten Leistung.
Wie lange ist ein Gutschein gültig?
Ohne Ablaufdatum gilt die dreijährige Verjährung nach § 195 BGB, beginnend am Ende des Kaufjahres. Ein 2026 gekaufter Gutschein kann also bis Ende 2029 eingelöst werden.
Was passiert mit Gutscheinen, die vor 2026 verkauft wurden?
Restaurantgutscheine aus 2025 waren Einzweck-Gutscheine mit 19 Prozent, weil damals Speisen und Getränke vor Ort gleich besteuert wurden. Die Steuer wurde bereits beim Verkauf erfasst, bei der Einlösung 2026 fällt keine weitere Umsatzsteuer an.
Was Kontevia dabei übernimmt
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Quellen
- § 3 UStG (Absätze 13 bis 15): https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__3.html
- § 12 UStG: https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__12.html
- § 195 BGB: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- § 199 BGB: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__199.html
- IHK Schwerin, Steuersätze in Gastronomie und Hotellerie: https://www.ihk.de/schwerin/standort-westmecklenburg/tourismus-und-gastgewerbe/rechtsfragen/steuersaetze-in-gastronomie-und-hotellerie-4835520
- DIHK, Ermäßigter Mehrwertsteuersatz für Gastronomie: https://www.dihk.de/de/newsroom/ermaessigter-mehrwertsteuersatz-fuer-gastronomie-161492
- NWB Experten-Blog zu Mehrzweck-Gutscheinen: https://www.nwb-experten-blog.de/gibt-es-in-der-gastronomie-ab-sofort-nur-noch-mehrzweck-gutscheine/
Stand: 12. Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche Beratung.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- § 3 UStG Lieferung, sonstige Leistung (Absätze 13 bis 15 Gutscheine), gesetze-im-internet.de
- § 12 UStG Steuersätze, gesetze-im-internet.de
- § 195 BGB Regelmäßige Verjährungsfrist, gesetze-im-internet.de
- § 199 BGB Beginn der regelmäßigen Verjährungsfrist, gesetze-im-internet.de
- IHK Schwerin: Steuersätze in Gastronomie und Hotellerie im Überblick
- DIHK: Ermäßigter Mehrwertsteuersatz für Gastronomie
- NWB Experten-Blog: Gibt es in der Gastronomie ab sofort nur noch Mehrzweck-Gutscheine?
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