Pfand und Umsatzsteuer in der Gastronomie: welcher Steuersatz gilt und wie Leergut auf den Beleg kommt

Von Lukáš Tobolák••7 Min. Lesezeit•Keine Steuerberatung, bitte mit Ihrem Steuerberater abstimmen
Getränkekisten mit leeren Pfandflaschen, ein Bierfass und ein Regal mit Kartons im Lager eines Restaurants

Kurz gesagt: Flaschenpfand ist umsatzsteuerlich Teil des Getränks. Kostet die Limonade 19 Prozent Umsatzsteuer, gilt für das Pfand auf Flasche und Kasten ebenfalls 19 Prozent. Steckt Milch mit 7 Prozent in der Pfandflasche, gilt für das Pfand 7 Prozent. Paletten und Rollcontainer sind dagegen eigenständige Leistungen und laufen immer mit 19 Prozent. Wenn Sie Leergut zurückgeben, mindert die Gutschrift Ihre Vorsteuer. Für Restaurants und Hotels heißt das: Jede Lieferantenrechnung mit Pfand und jede Leergutgutschrift gehört mit dem richtigen Steuersatz in die Buchhaltung.

Im Folgenden erst die Grundregel, dann Beispiele mit Zahlen und zum Schluss die Details für Fortgeschrittene.

Die Grundregel: Pfand teilt das Schicksal der Ware

Die Finanzverwaltung hat die Behandlung von Pfand im BMF-Schreiben vom 5. November 2013 (IV D 2 - S 7200/07/10022:001) geordnet. Sie unterscheidet zwei Gruppen:

  • Warenumschließungen sind Verpackungen, ohne die die Ware nicht verkaufsfähig wäre und die keinen eigenen Gebrauchswert haben. Genannt werden Flaschen und Getränkekästen. Das Pfand dafür ist eine Nebenleistung zur Warenlieferung und teilt deren Steuersatz.
  • Transporthilfsmittel dienen der Logistik, etwa Getränkepaletten, H1-Kunststoffpaletten, Kisten, Steigen oder Container. Ihre Überlassung gegen Pfand ist eine eigenständige Leistung mit dem Regelsteuersatz von 19 Prozent.

Gezahltes Pfand erhöht das Entgelt. Wird das Pfand bei Rückgabe erstattet, mindert sich das Entgelt im Zeitpunkt der Erstattung nach § 17 UStG. Der Lieferant korrigiert seine Umsatzsteuer, Sie als Abnehmer korrigieren Ihre Vorsteuer.

Übersicht: welcher Steuersatz für welches Pfand

Pfand auf Einordnung Steuersatz
Bierflasche, Limonadenflasche, Mineralwasserflasche (Mehrweg) Warenumschließung 19 Prozent wie das Getränk
Getränkekasten Warenumschließung 19 Prozent wie das Getränk
Milchflasche, Joghurtglas mit Pfand Warenumschließung 7 Prozent wie das Lebensmittel
Einwegflasche oder Dose mit Einwegpfand Teil der Getränkelieferung Steuersatz des Getränks
Getränkepalette, Rollcontainer, Kunststoffpalette Transporthilfsmittel 19 Prozent, eigenständige Leistung
Mehrweg-Gemüsekiste oder Steige des Großhändlers Transporthilfsmittel 19 Prozent, eigenständige Leistung

Beim Einwegpfand verlangt § 46 VerpackDG ein Pfand von mindestens 0,25 Euro einschließlich Umsatzsteuer je Verpackung auf allen Handelsstufen bis zum Endabnehmer. Der Betrag enthält also bereits die Umsatzsteuer.

Beispiel 1: Getränkelieferung an ein Restaurant

Ein Restaurant bekommt jede Woche Getränke vom Getränkefachgroßhandel. Die Rechnung einer Woche enthält:

  • Getränke 600,00 Euro netto, 19 Prozent
  • Pfand für Flaschen und Kästen 90,00 Euro netto, 19 Prozent
  • Pfand für eine Palette 15,00 Euro netto, 19 Prozent
  • Leergutrücknahme aus der Vorwoche minus 80,00 Euro netto, 19 Prozent

Netto ergeben sich 625,00 Euro, die Umsatzsteuer beträgt 118,75 Euro. Das Restaurant zieht 118,75 Euro als Vorsteuer, wenn die Rechnung alle Pflichtangaben enthält. Hier liegen alle Positionen bei 19 Prozent, die Unterscheidung zwischen Warenumschließung und Transporthilfsmittel wirkt sich auf den Steuersatz nicht aus. Sie wird aber wichtig, sobald 7-Prozent-Ware im Spiel ist.

Beispiel 2: Frühstücksbuffet im Hotel mit Milch und Joghurt

Ein Hotel bezieht für das Frühstücksbuffet Milch in Mehrwegflaschen und Joghurt in Pfandgläsern von einer Molkerei. Die Rechnung enthält:

  • Milch und Joghurt 240,00 Euro netto, 7 Prozent
  • Pfand für Flaschen und Gläser 36,00 Euro netto, 7 Prozent
  • Pfand für zwei Transportkisten 12,00 Euro netto, 19 Prozent

Die Vorsteuer beträgt 7 Prozent von 276,00 Euro, also 19,32 Euro, plus 19 Prozent von 12,00 Euro, also 2,28 Euro, zusammen 21,60 Euro. Bucht die Buchhaltung das gesamte Pfand pauschal mit 19 Prozent, wäre die Vorsteuer um 4,32 Euro zu hoch. Bei einer einzelnen Rechnung ist das wenig, über ein Jahr mit 52 Lieferungen sind es gut 220 Euro, die bei einer Prüfung zurückgefordert werden können.

Wenn das Hotel die Gläser zurückgibt, erhält es eine Gutschrift. Für 36,00 Euro Glas-Pfand mindert sich die Vorsteuer um 2,52 Euro (7 Prozent). Für die Kisten um 2,28 Euro (19 Prozent).

Beispiel 3: Getränkeverkauf außer Haus

Verkauft ein Restaurant oder ein Hotelkiosk Flaschengetränke zum Mitnehmen, erhebt es selbst Pfand vom Gast. Eine Flasche Limonade für 2,50 Euro plus 0,25 Euro Einwegpfand ergibt 2,75 Euro brutto. Darin stecken 19 Prozent Umsatzsteuer, also rund 0,44 Euro. Nimmt der Betrieb Einwegflaschen zurück und zahlt das Pfand aus, mindert das den Umsatz und damit die Umsatzsteuer. In der Kasse sollten Pfandausgabe und Pfandrücknahme deshalb als eigene Artikel mit dem richtigen Steuersatz angelegt sein.

Pfand buchen: was auf den Beleg gehört

Die Kontenzuordnung und den Buchungssatz legt Ihr Steuerberater fest. Damit er das ohne Rückfragen kann, sollten auf dem Beleg erkennbar sein:

  1. das Pfand getrennt von der Ware, mit Steuersatz
  2. Pfand für Transporthilfsmittel getrennt vom Flaschen- und Kastenpfand
  3. Leergutgutschriften mit Datum, Menge und Steuersatz
  4. bei Gutschriften ein Bezug zur Lieferung oder zum Lieferanten

Viele Getränkehändler drucken Pfand und Leergut ohnehin auf die Lieferrechnung. Schwierig wird es bei Leergutbons aus dem Großmarkt, die nur einen Betrag zeigen, oder bei handschriftlichen Rücknahmezetteln des Fahrers. Fotografieren Sie solche Zettel sofort, bevor sie verloren gehen. Ob ein kleiner Bon als Rechnung reicht, regelt § 33 UStDV, Details stehen unter Kleinbetragsrechnung.

Für Fortgeschrittene: Vereinfachungen und Sonderfälle

Vereinfachung für Pfand bei ermäßigt besteuerter Ware. Die Finanzverwaltung lässt nach Abschnitt 10.1 Absatz 8 UStAE vereinfachte Verfahren zu, um das vereinnahmte und erstattete Pfand bei Waren mit unterschiedlichen Steuersätzen zu ermitteln. Ob und wie Sie diese Vereinfachung nutzen, klären Sie mit Ihrem Steuerberater.

Einheitliche Behandlung über alle Handelsstufen. Bei Transporthilfsmitteln muss die Berichtigung nach § 17 Absatz 1 UStG auf allen Handelsstufen nach derselben Methode erfolgen. Für Sie als Abnehmer bedeutet das: Folgen Sie der Darstellung auf der Rechnung Ihres Lieferanten. Weichen Sie davon nicht eigenmächtig ab.

Seit 2026 auch Speisen mit 7 Prozent im Restaurant. Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen der ermäßigte Steuersatz, Getränke bleiben bei 19 Prozent. Für Pfand auf eingekaufte Getränke ändert sich dadurch nichts. Mehr zur Aufteilung lesen Sie in Mehrwertsteuer Gastronomie 2026.

Pfand ohne Rückgabe. Bleibt Leergut dauerhaft im Betrieb, weil es verloren geht oder zerbricht, gibt es keine Gutschrift. Das Pfand bleibt dann Teil des Kaufpreises, eine Korrektur der Vorsteuer entfällt.

Ist Pfand mehrwertsteuerpflichtig?

Ja. Pfand auf Flaschen und Kästen ist eine Nebenleistung zur Warenlieferung und wird mit dem Steuersatz der Ware besteuert, also 19 Prozent bei Bier, Limonade oder Wasser und 7 Prozent bei Milch. Pfand auf Paletten und Transportkisten ist eine eigenständige Leistung mit 19 Prozent.

Wie wirkt sich Leergut auf die Vorsteuer aus?

Wenn Sie Leergut zurückgeben und das Pfand erstattet oder gutgeschrieben bekommen, mindert sich das Entgelt nach § 17 UStG. Sie müssen die Vorsteuer, die Sie aus dem Pfand gezogen haben, im Zeitraum der Erstattung entsprechend kürzen.

Gilt für Einwegpfand ein anderer Steuersatz?

Nein. Das Einwegpfand von mindestens 0,25 Euro je Flasche oder Dose ist ein Bruttobetrag einschließlich Umsatzsteuer und folgt dem Steuersatz des Getränks. Bei Getränken wie Limonade, Bier oder Wasser sind das 19 Prozent.

Muss das Pfand auf der Rechnung getrennt stehen?

Für den Steuersatz ist das nicht zwingend, wenn Ware und Pfand denselben Satz haben. Sobald unterschiedliche Sätze zusammenkommen, etwa Milch mit 7 Prozent und Transportkisten mit 19 Prozent, muss die Rechnung das Entgelt nach Steuersätzen aufschlüsseln. Für die Buchhaltung ist ein getrennter Ausweis in jedem Fall hilfreich.

Was Kontevia dabei übernimmt

Kontevia startet in Deutschland mit ersten Pilotbetrieben. Kontevia bereitet Belege vor, bucht nicht und berät nicht steuerlich. Sie fotografieren die Lieferrechnung des Getränkehändlers oder den Leergutbon und schicken das Foto per WhatsApp. Kontevia liest jede Position aus, also Ware, Flaschenpfand, Palettenpfand und Leergutrücknahme, jeweils mit Steuersatz. Belege, auf denen Pfand und Ware mit unterschiedlichen Sätzen nicht sauber getrennt sind, werden markiert. Jeder Beleg erhält einen Buchungsvorschlag mit SKR03- oder SKR04-Konto, die Entscheidung trifft Ihre Kanzlei. Die Belege gehen an DATEV Unternehmen online oder als Export im DATEV-Format an Ihren Steuerberater. Mehr zum Ablauf für Restaurants unter Gastronomie, die Tarife unter Preise.

Quellen

Stand: 12. Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche Beratung.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. BMF-Schreiben vom 5.11.2013, IV D 2 - S 7200/07/10022:001 (BStBl 2013 I S. 1386), Zusammenfassung IWW
  2. Deubner Steuern: Transportbehältnisse, BMF ändert UStAE
  3. § 17 UStG Änderung der Bemessungsgrundlage, gesetze-im-internet.de
  4. § 12 UStG Steuersätze, gesetze-im-internet.de
  5. § 46 VerpackDG Pfand- und Rücknahmepflichten für Einweggetränkeverpackungen, gesetze-im-internet.de
  6. § 33 UStDV Rechnungen über Kleinbeträge, gesetze-im-internet.de

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